Alphabriefe

Wir behalten den Überblick

Alphabriefe header image 2

Reifenproduzenten im Windschatten der Autokonjunktur

Veröffentlicht am 17.02.2012 von Redaktion Alphabriefe · Keine Kommentare

Ob Volkswagen, General Motors oder Toyota. Die Autobauer sind abhängig von ihren Zulieferern. Eine wichtige Rolle übernehmen dabei u. a. die Reifenhersteller. Insofern lohnt es sich, diese Branche einmal genauer anzuschauen.

In den vergangenen 12 Monaten konnten sich die Reifenhersteller gegenüber 2010 weiter steigern. Allerdings nicht mehr auf dem hohen Niveau des Vorjahres. Dabei verzeichnete der Markt für PKW-Reifen für die Erstausrüstung ein Wachstum von 7,0%. Der Ersatzmarkt stieg um 5,4% an. In 2010 lagen diese Werte noch bei 12,6% und 8,0%. Ähnlich sieht es beim Absatz, bezogen auf die Erstausrüstung, aus. Dieser erhöhte sich um 34,5%. Im Jahr zuvor waren es 54,2%.

Diese Entwicklung wirkte sich auch auf die Bilanzen der Reifenhersteller aus. Dabei konnte vor allem der französische Hersteller Michelin in den vergangenen Tagen mit sehr guten Geschäftszahlen glänzen. Das Unternehmen, das durch seinen Michelin-Mann weltweit bekannt wurde, steigerte sich in allen Bereichen.

In 2011 setzten die Franzosen mit Hauptsitz in Clermont- Ferrand 20,7 Mrd. Euro um. Damit stiegen die Umsätze gegenüber dem Vorjahreszeitraum um beachtliche 15,8%. Auch das Betriebsergebnis schnellte um 14,7% auf 1,94 Mrd. Euro nach oben. Unterm Strich verzeichnete Michelin einen Nettogewinn von 1,46 Mrd. Euro. Dies ist ein Plus von 39% gegenüber 2010.

Neben den deutlichen Umsatz- und Gewinnanstiegen erhöhte Michelin auch die Reifenverkäufe um 6,7%. Die operative Marge bewegte sich mit 9,4% auf dem Niveau des Vorjahres mit 9,5%. Als besonders ertragreich erwies sich das Segment Spezialreifen mit den Bereichen Landwirtschaft und Zweiräder sowie Erdbewegungsmaschinen und Luftfahrt. Hier kletterte die operative Marge von 17,8% auf 21,5%.

Die Gründe für die Anstiege sind lt. Unternehmensangaben sehr differenziert. Zum einem profitierte Michelin von einer weiterhin hohen Autonachfrage und gestiegenen Lastwagenverkäufen, so die Unternehmensführung. Zum anderen konnte der Absatz von Winterreifen erhöht werden. Dazu kam, dass die gestiegenen Rohstoffkosten durch Preiserhöhungen gedeckt werden konnten.

Auch für die kommenden Monate gibt sich das Unternehmen zuversichtlich. Wie der Reifenhersteller mitteilte, werden auch in 2011 stabile Erlöse erwartet. Der Rückgang in Europa soll durch einen Anstieg in den Schwellenländern mehr als ausgeglichen werden. Außerdem wollen die Franzosen durch den Bau neuer Werke ihre Präsenz in China und Brasilien stärken.

Neben den Franzosen konkurrierte auch Continental um die Krone im hart umkämpften Reifengeschäft. Die endgültigen Jahreszahlen für 2011 will Continental erst im März veröffentlichen. Die Hannoveraner rechnen auch in den kommenden Monaten mit einem soliden Wachstum. Während man in Europa von einem Rückgang des Geschäftes ausgeht, sollen die Märkte in Asien, Russland und Brasilien stärker wachsen.

Gründe für den Optimismus sind steigende Verkaufspreise. Diese sind aber auch nötig, um die höheren Rohstoffkosen abzudecken, teilte die Konzernspitze mit. Außerdem konnte die Produktivität mit der Schaeffler AG weiter gesteigert werden, teilte Continental mit.

Die Einschätzungen der Reifenhersteller für 2012 decken sich auch mit den Prognosen der Analysten. Finanzexperten erwarten für den Reifenmarkt ein konstantes Wachstum von 5% bis 2015. Damit entwickelt sich die Branche auch schneller als der Neukundenmarkt. Wie bereits erwähnt, stützen die Analysten ihre Aussage auf das Wachstum in den Schwellenländern.

 

Weitere Gründe für den Anstieg ist die zunehmende Regulierung des Reifenersatzmarktes sowie die Winterreifenpflicht für Autofahrer, teilten Analysten mit. Neben den finanziellen Erwartungen wird es in 2012 auch technische Änderungen geben. So wird ab November diesen Jahres das EU-Reifenlabel eingeführt. Außerdem stellt sich die Frage, wie sich die kommende Vier-Millimeter-Mindestprofiltiefe auf die Reifenproduktion auswirken wird.

Somit gibt es genug Herausforderungen, denen sich die Reifenhersteller in naher Zukunft stellen müssen. Erste Einblicke in mögliche neue Technologien gewähren die Hersteller auf der Reifenmesse in Essen.

Dieser Artikel drucken Dieser Artikel drucken

Tags: Aktien · Unternehmen

0 Kommentare bis jetzt

Hinterlasse einen Kommentar