Fußball und Geldanlage passen selten zusammen. Das gilt insbesondere für Fußball-Aktien. Der Erfolg gelingt nur sehr selten, dagegen ist die Chance groß, dass der Ball respektive die Anlage verloren gehen. Fußball-Aktien gehorchen nicht den normalen betriebswirtschaftlichen Gesetzen und hängen immer auch von den Resultaten auf dem Rasen ab. Aber selbst dann, wenn die Resultate stimmen, wie zuletzt bei Borussia Dortmund, die zweimal hintereinander Deutscher Meister wurden und zuletzt DFB-Pokalsieger, sind die Aktien kaum gefragt und dümpeln im tiefen Keller so vor sich hin.
In den letzten Jahren gingen viele Vereine dazu über, ihren Geldbedarf via Anleihen zu decken. Aber auch mit den bisher begebenen Fan-Anleihen von Fußballvereinen machten die Anleger / Fans nicht immer gute Erfahrungen. Besonders kleinere Vereine nutzten dieses Vehikel. Zu nennen sind Hansa Rostock, Alemannia Aachen, Arminia Bielefeld oder St. Pauli.
Wie sehr das Ausbleiben sportlichen Erfolgs auch die Bedienung der Anleihen gefährdet, zeigt sich bei Arminia Bielefeld. Der Klub finanzierte noch als Erstligist 2006 den Bau einer Tribüne über eine Anleihe. Diese konnte 2011 noch getilgt werden, jedoch nicht zuletzt durch Ausgabe einer neuen Anleihe. Finanziell kämpft die Arminia ums Überleben in der dritten Liga.
Ein Nachteil der sog. Fan-Anleihen ist auch die fehlende Börsennotiz. Wer solch eine Anleihe erwirbt, ist praktisch bis Laufzeitende an dieses Wertpapier gebunden. Auch Alemannia Aachen ächzt unter den horrenden Kosten des Stadionneubaus aus 2010 und musste nun in die dritte Liga absteigen.
Jetzt versucht sich Schalke 04 ebenfalls am Anleihemarkt. Allerdings sind die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen grundlegend anders, als in den zuvor geschilderten Fällen. Schalke 04 begibt keine Fan-Anleihe, sondern einen börsennotierten Mittelstands-Bond (ISIN DE000A1ML4T7) inklusive Rating. Der Traditionsverein aus Gelsenkirchen bietet vom 30. Mai bis zum 8. Juni eine Anleihe mit siebenjähriger Laufzeit zur Zeichnung an, deren Kupon bei 6,75% liegt.
Bis zu 50 Mio. Euro sollen eingesammelt werden, um Verbindlichkeiten umzufinanzieren und so die Finanzstruktur zu diversifizieren. Damit setzt Schalke den vor zwei Jahren eingeschlagenen Konsolidierungskurs fort, der bisher eine Reduzierung der Verbindlichkeiten um 48 Mio. Euro bewirkt hat. In den kommenden zehn Jahren sollen dann die Finanzverbindlichkeiten von 135 Mio. Euro weitestgehend abgebaut sein.
In sportlicher Hinsicht läuft es ganz gut. Schalke hat sich mittlerweile auf den Champions League-Tabellenplätzen etabliert. In den letzten 10 Spielzeiten qualifizierte man sich neunmal für europäische Wettbewerbe. Das generiert erhebliche Zusatzeinnahmen. Aber auch die Bundesliga an sich ist ein Erfolgsmodell. Fußball wird immer populärer, und das nicht nur bei den männlichen Zuschauern, sondern auch bei der weiblichen. Nach der amerikanischen National Football League ist die Bundesliga die zuschauerreichste Sportliga der Welt.
Schalke ist nicht nur eine starke Marke, sondern verfügt in Form der vom Verein gehaltenen Vermarktungsrechte wie auch der Veltins-Arena über hohe stille Reserven. Die 61.673 Zuschauer fassende Spielstätte des FC Schalke 04 gehört zu den modernsten Multifunktionsarenen weltweit. Seit dem Eröffnungsspiel im Jahr 2001 lag der Zuschauerschnitt innerhalb einer Spielzeit immer über 60.000 Besuchern. In der Arena finden zudem regelmäßig erstklassige Events statt, die damit weitere Einnahmequellen für den Club darstellen. Darüber hinaus sind ab der Saison 2013/2014 Mehreinnahmen aus den kürzlich neu vergebenen TV-Rechten der Deutschen Fußball Liga (DFL) zu erwarten.
Schalke 04 gehört laut einer Studie des Forbes-Magazins zu den zehn wertvollsten Clubs weltweit. Mit 110.000 Vereinsmitgliedern ist man die Nummer 2 in Deutschland hinter Bayern München und die Nummer 7 in Europa. Im vergangenen Geschäftsjahr hat Schalke den Umsatz um 19,3% auf den Rekordbetrag von 224,2 Mio. Euro gesteigert, während das EBITDA um 30% auf 62,1 Mio. Euro zugelegt hat. Bereinigt um Einmaleffekte hat sich der Überschuss auf 11,8 Mio. Euro gut verdoppelt.
Mit Gazprom hat Schalke 04 einen zahlungskräftigen Sponsor im Schlepptau. Der Mega-Deal mit dem Hauptsponsor beschert Schalke ab 2012 insgesamt 80 Mio. Euro (16 Mio. Euro pro Saison bis 2017). Europaweit belegt Schalke damit Rang acht. In der Bundesliga spielt nur Bayern München mit Trikotwerbung mehr ein.
Creditreform vergibt ein zufriedenstellendes BB-Rating. Die Anleihe läuft bis zum 11. Juli 2019 und kann vom Verein frühestens am 11. Juli 2016 zu 103%, zum 11. Juli 2017 zu 102% oder zum 11. Juli 2018 zu 101% gekündigt werden.
Fazit: Die Schalke-Anleihe ist im Gegensatz zu vielen herkömmlichen Mittelstandsbonds ein vergleichsweise sicheres Investment. Das Risiko bei solch einem großen Verein ist überschaubar. Deshalb empfehlen wir die Zeichnung (Zeichnungsfrist 30.05. bis 08. Juni 2012).
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